Wer die Reihe rund um Salma kennt, freut sich über die neuen Themen, die Salma für ihr Lesepublikum mitgebracht hat. Und wer Salma nicht kennt, bekommt eine herzerwärmden und durchaus kindergerecht kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang von abweichenden Traditionen und Ansichten in einer anderen Welt, ohne das ein Richtig oder Falsch vorgegeben ist. In dieser Geschichte ist Raum für alle Gefühle und im Anschluss die Möglichkeit für eine begleitete, angeregte Diskussion.
Inhalt
Salma bekommt ein Geschwisterchen und ist freudig aufgeregt und zugleich besorgt. Salma möchte unbedingt eine gute große Schwester werden, doch wie soll das gehen? Zu ihrer Freude ist gerade auch ihre Onkel von Berlin nach Hamburg gezogen. Doch Salma fragt sich, warum Salma in der Zeit, in der sie und ihre Familie in Deutschland lebt ihrem Onkel nicht kennen gelernt hat. Ja, Berlin ist weiter weg, doch nicht am Ende der Welt. Welches Geheimnis steckt dahinter? Mama und ihre Onkel freuen sich sehr einander wieder zu sehen und Salma liebt ihren Onkel von der ersten Minute an. Doch immer wenn sie Mama fragt, verdunkelt sich ihr Blick und sie möchte es nicht erklären. Was hat die beiden wohl für so lange Zeit auseinander gebracht, obwohl sie sich doch offensichtlich so sehr lieben?
Leseeindruck
Ich bin bereits von Band 1. und 2. rund um das Mädchen Salma beeindruckt. Band 3. toppt für mich jetzt beide Bände in Bezug auf empathisches Hinschauen auf den Alltag einer Gruppe unserer Gesellschaft.
Das Lesepublikum erlebt auf der einen Seite kindergerecht den Zwiespalt zwischen der Tradition, in der Jemand, in diesem Fall die Mutter, aufgewachsen ist und in der Jemand mittlerweile lebt. Der Bruder der Mutter ist homosexuell und als Mann mit einem anderen Mann verheiratet. Die Mutter von Salma steht der Lebensweise ihres Bruders zwiespältig entgegen. Zum Einen liebt sie ihren Bruder. Zum Anderen sind Homosexuelle Beziehungen in Syrien als „widernatürliche“ sexuelle Handlungen durch das Strafgesetztbuch verboten und kann mit Gefängnisstrafen geahndet werden.
Was nach „Harter Kost“ für ein Kinderbuch wirken könnte, ist meiner Meinung sehr gelungen von Danny Ramadan thematisiert und vor allem die Gefühle und das Verstehen – Wollen eine Kindes in solch einem Konflikt zwischen Erwachsenen dargestellt. Dieser Teil des Erzählstranges in diesem Kinderbuch trägt wiederum wie bereits die ersten beiden Bände rund um Salma eine neue Perspektive zum Verstehen auf die Herausforderung von Menschen mit Migrationshintergrund bei und somit ein wundervoller Beitrag für ein größeres Miteinander.
Der zweite Erzählstrang der Geschichte ist Salmas Vorfreude auf ein Geschwisterchen und die Sorge, wie ein Miteinander möglich ist. Dieses Thema betrifft Kinder im Grundschulalter mit und ohne Migrationshintergrund und macht Salmas auseinandersetzen mit diesem Thema für alle Kinder wertvoll.
Leseeindruck eines Kindes (10 Jahre)
Ich freue mich noch eine Geschichte über Salma und ihre Familie lesen zu können. Doch Salmas Mama verstehe ich nicht so gut. Jeder Mensch darf doch lieben, wen er mag, solange es ihm gut damit geht. Mama hat mir erklärt, dass es mit alten Traditionen zu tun hat und einer anderen Sichtweise auf Beziehungen. Ich bin froh, dass am Ende auch Salmas Mama ihren Bruder versucht zu verstehen.
Klappentext
Wie kann ich die beste große Schwester werden? Diese Frage beschäftigt Salma, seit sie erfahren hat, dass ihre Mama ein Baby bekommt. Weil sie diese Aufgabe sehr ernst nimmt und auf viele ihrer Fragen keine Antworten findet, beschließt Salma, ihren eigenen kleinen Ratgeber zu schreiben. Sie beobachtet und befragt ihre Schulfreund*innen, sammelt Materialien, notiert ihre Gedanken und bald ist ihr Buch fertig.
Doch als ihr geliebter Onkel nach langer Abwesenheit wieder Kontakt zu Salmas Familie aufnimmt und seinen Ehemann Michael vorstellen will, wird alles schwierig. Salmas Mutter stehen ihre eigenen Vorurteile und kulturelle Barrieren im Weg. Salma spürt die Distanz und Sprechtabus zwischen ihrer Mutter und dem Onkel und versteht nicht, was da los ist. Sie beginnt, sich Sorgen zu machen: Wenn ihre Mutter ihren Bruder nicht so lieben kann, wie er ist, kann dann auch etwas zwischen Salma und ihr Geschwisterchen kommen? Ist es vielleicht doch viel zu schwierig, eine gute Schwester zu sein?

Salma schreibt ein Buch von Danny Ramadan, illustriert von Anna Bron, übersetzt von Lisa Kögeböhn, gebunden, 120 Seiten, erschienen am 26.02.2025 beim Orlanda Verlag in der Reihe Kids bewegt
ISBN 978-3-949545-72-6



